Dienstag, 16. Februar 2010

Überlegung

Ich verstehe jeden, der sagt, es ist nicht ok, wenn jemand der arbeitet weniger Geld hat als jemand, der nicht arbeitet.
Daraus zu schließen, das also der Arbeitslose weniger haben sollte, ist jedoch absolut verkehrt. Die richtige Schlussfolgerung sollte sein, dass der Arbeiter für seine Tätigkeit angemessen entlohnt werden muss - denn das ist offensichtlich nicht der Fall.
Da der Reallohn der Arbeiter und Angestellten in den letzten Jahrzehnten kaum gestiegen ist, während die Gewinne der Unternehmen gewaltig zugelegt haben, wären Lohnerhöhungen meiner Meinung nach die logische Konsequenz. Aus der Tatsache, dass Menschen ausgebeutet werden, sollte man nicht folgern, dass man den noch Schwächeren, welche nicht einmal mehr ausgebeutet werden, von ihren paar Krümeln noch etwas wegnehmen muss.


Kommentare:

  1. Kluge Idee, leider zahlen die Chinesen noch weniger. Man kann die höheren Lohnkosten in Deutschland bis zu einem gewissen Punkt durch die höhere Rechtssicherheit und die bessere Infrastruktur ausgleichen, allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt. Ein Mindestlohn löst die Probleme nicht wirklich, da dieser nur zu mehr Schwarzarbeit führt, wie man in Frankreich und GB gut sehen kann. Man muss sich leider damit anfreunden, dass vor allem geringqualifizierte verarmen, solange deren Jobs im Ausland billiger verrichtet werden können. Ein Chinese arbeitet nunmal für 1 Euro am Tag, der Arbeitet 12 Stunden, 6 Tage die Woche, streikt nicht und stellt auch sonst kaum Ansprüche. Den Leuten hier mehr Geld geben bedeutet auf der anderen Seite, den Anreiz für eine Auslagerung der Arbeit zu erhöhen.
    Man müsste sich mit den anderen Industrienationen zusammensetzen und eine Zollunion einführen, bei der man Produkte boykottiert, die aus Ländern kommen, in denen niedrige Produktionskosten durch einen niedrigen Menschenrechtsstandard und Arbeitnehmerschutz sowie Umweltschutz erkauft werden. Oder einfach mit den Füßen abstimmen und keine Waren mehr kaufen die Made in China/India etc. sind. Jeder freut sich aber über sein billiges Notebook/T-Shirt.
    Alles andere wäre nur die Verteilung von Geldern, die irgendwann durch eine kalte Enteignung dem Volk wieder wegenommen werden. Ich sehe auch nicht ein, warum mir von meinem Lohn viel abgezogen werden soll, damit ein Arbeitsloser ins Kino gehen kann. Das Problem mit der Kinderarmut lässt sich auch dadurch beheben, dass man Ganztagsbetreuungen ausbaut und Ganztagsschulen mit anschließendem Nachmittagsprogramm fördert. Den Arbeitslosen mehr Geld in den Arsch blasen hilft niemandem

    Gruß

    Sahin

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  2. Ich bin da nicht so weit von dir entfernt, mein Freund. Dass das Phänomen eines ist, welche unter den Gesichtspunkten der Globalisierung zu sehen und zu verstehen ist, ist klar. Von Arbeitslosen mehr Geld geben hab ich ja so auch nicht geredet - mir gehts hier um die von der neoliberalen Bewusstseinsindustrei verbreitete Meinung, das mehr Gerechtigkeit nur zu erreichen ist, indem man von Unten nach Oben umverteilt. Denn gegen den Ausbau von Ganztagsbetreuung, gegen Ganztagsschulen, gegen angemessene Bezahlung von Erzieherinnen sind leider vor allem die Parteien, welche im Bund die Regierung bilden, zum teil aus verkrusteten alten Ideologiegründen, zum Teil aus dem einfachen Kalkül, dass man (und sein Klientel) ja zu den 'Gewinnern' gehört...

    Es ist nur wieder diese Meinungsmache. In was für einer Gesellschaft wollt ihr wohnen? Und: es hat schon einen Grund, wenn das Verfassungsgericht sagt, dass die Sätze überarbeitet werden müssen. Kein Grund, den Arbeitslosen und Hartz IV-Empfängern altrömische Dekadenz zu unterstellen (in völliger Ignoranz historischer Tatsachen - Dekadent waren nciht die armen in Rom UND weder Dekadenz noch 'Sozialhilfe' - Korn für lau für Bedürftige - waren Schuld am Untergang des Reichs. So far, und danke für deinen Gedanken.

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  3. Ach ja, und das Argument gegen den Mindestlohn lass ich nicht gelten. Du glaubst doch nciht wirklich, dass dadurch die Schwarzarbeit nochmal deutlich zulegt - und wenn doch, dann muss man halt andere Wege finden, diese einzudämmen.
    Ein Gesetz, was Schwarzgelder und Steuerhinterzieher auf Dauer straffrei ausgehen lässt, ist sicherlich nicht förderlich. In dem Zusammenhang morgen 21:45 in der ARD Panorama gucken.

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  4. Doch glaube ich. Mindestlöhne sind volkswirtschaftliche Unsinn. Sie führen zu einer erhöhten Arbeitslosenquote unter Jugendlichen. Mindestlöhne führen unmittelbar zu höheren Lohnkosten in betroffenen Unternehmen. Diese würden die Lohnkosten entweder an den Kunden weiterreichen oder die Lohnkosten auf anderem Weg, durch Entlassungen wieder drücken. Beides schadet der Volkswirtschaft. Diese anderen Wege die du diffus aufzeigst, aber nicht einmal andeutest, sind schwer umsetzbar. Wo kein Kläger da kein Richter. Wenn der Handwerker fragt, ob mit oder ohne Rechnung, dann nehmen die meisten ohne Rechnung. Das zu kontrollieren ist quasi nicht möglich. Auch Erzieherinnen werden marktgerecht bezahlt, den Ausbau von krippen mit einer Erhöung des Gehaltes von Erzieherinnen einhergehen zu lassen ist utopisch, Geld wächst nicht auf dem Feld. Der Grund warum nicht ausgebaut wird, ist weil kein Geld dafür da ist. Der Staat verteilt seit Jahren über seine Verhältnisse hinaus Geld. Das Klientel, welches am meisten geschont wird, sind die Rentner, nicht die reichen Bosse. Wir haben keine spendenfinanzierte Politik wie in den USA. Der größte Kostenposten im Staatshaushalt sind die Sozialausgaben. Der größte Posten bei den Sozialausgaben sind die Zuschüsse zur Rente. Das dualistische System von Sozialabgaben und Steuern ist im Grunde nur eine farce, da der Bund jetzt schon 70.000.000 jedes Jahr an die Rentenkassen übweist, weil die ihre Löcher nicht stopfen können. Das ganze System ist auf eine kalte Enteignung gepolt, die mehr oder weniger unausweichlich wird. Inflation ist das Zauberwort, weil keiner in diesem Land einsehen will, dass man über seinen Möglichkeiten lebt und einfach mal sparen muss. Sparen tut man in Bereichen, die keinen Profit bringen. Das wären also vor allem Sozialausgaben. Da traut sich nur keiner dran, weil die Rentner einen sonst nicht mehr wählen. Die Spd war mit der Hartz 4 Gesetzgebung wesentlich mutiger und hat es sich mit seinem Klientel verschertzt. Nun müsste die CDU gleichziehen und mal den Rotstift bei den Renten ansetzen. Wenn man sich überlegt, dass der Etat von Arbeit und Soziales fast 10 mal so groß ist wie der von Technologie und Bildung zusammen, dann weiß man, warum es hier bergab geht. Irgendwer muss den Karren nunmal ziehen und das sind nicht die Hartz 4 Empfänger.

    Gruß

    Sahin

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  5. Es spricht auch niemand davon, dass die Hartz IV-Empfänger den Karren ziehen würden.
    Dass der Staat verschuldet ist und sparen muss, ist eine nicht von der Hand zu weisende Tatsache. Ist aber schon abgefahren, wenn dann Zig Milliarden zur Rettung großer Unternehmen und Banken rausgerotzt werden, als hätten wir den Haushalt in den letzten Jahren nur dafür angefangen zu sanieren. Wenn denn der Mittelstand gerettet würde, das wär ja schon schön. Aber eingegriffen wird nur an Stellen, wo die Unternehmen groß genug sind, um die jeweiligen Regierungen zu erpressen. Und ja - ich bin der Meinung, man hätte die Banken kaputtgehen lassen sollen. Auch wenn dann jede Menge Geld von Kleinanlegern und Sparern weg wäre. Dann merkten die Menschen wenigstens, dass sie beschissen worden sind.
    Wenn die nächste Blase platzt (ob es jetzt die Geschäftsimmobilien sind, die Kreditkarten, gibt da denk ich genug virtuelles Geld, auch schon wieder neues seit Anfang '09), da werden dann wieder 50 Milliarden rausgerotzt, die an den Sozialabgaben gespart werden sollen? Man sollte sich mal anschauen, was an den Finanzmärkten abläuft, was wie besteuert wird, und dann nochmal nach Gerechtigkeit fragen.
    Und, es wäre ja super, wenn ein Mindestlohn unnötig wäre, aber leider nutzen Unternehmen, die groß genug sind, einfach die Gesetzeslage aus, um Geld einzusparen. Wozu angemessenen Lohn zahlen, wenn der Staat doch deckelt? Und das setzt sich ja bei diversem anderen fort. Die Unternehmer argumentieren wie du, und sagen dann, ok, ihr wollt ja euren Job behalten, also, Weihnachtsged gits nicht mehr, Urlaubsgeld wird halbiert. Arbeitskampf? Fehlanzeige.
    Wenn das Weltwirtschaftssystem so dereguliert, marktradikal und somit totalitär ist, wie es ist, heißt das doch noch lange nicht, dass man das unkritisiert und unkommentiert einfach hinnehmen muss.
    Hier zeigt sich wieder die Dialektik der Aufklärung, in dem Moment, wo aktuell gegebene Tatsachen als unveränderlich hingestellt werden wie ein kirliches Dogma.
    Ist wunderbar wenn du dich hast einlullen lassen und an diese Dogmatik glaubst. Sicher muss man gucken wo man bleibt. Aber muss man das deshalb gut finden? Ist es positiv, dass sich unser System Verlierer züchtet? Menschen, die aus dem 'Arbeits'gesellschaftlichen Raster fallen, die keiner will und braucht? Man könnte ja mit diesem 'Recht des Stärkeren' leben, es sogar für gerecht halten, wenn denn alle ihre soziale Existenz mit dem selbsen Vorzeichen beginnen würden. Dies ist aber heute genausowenig der Fall wie vor 150 Jahren. Unser Schulbildungssystem spiegelt das wieder - und dass dieses nicht zu ändern ist, liegt wiederum vor allem an den konservativen und den marktradikalen Kräften hier im Lande.
    Was die Rente angeht - hier steht die Gesellschaft allerdings vor einem großen Problem, was allerdings gelöst werden muss. Die Frage ist doch, in was für einer Gesellschaft wollen wir leben? Eine, in der Menschen die Grundbedürfnisse nicht mehr garantiert werden können? Eine, in der Menschen, die wenig Geld haben, halt an der Lungenentzündung sterben, weil sie den Arztbesuch nicht bezahlen können? Eine, in der Arbeiter und Angestellte, die keinen Besitz, kein nennenswertes Eigentum aufbauen konnten in ihrem Arbeitsleben, im Alter eben verarmen? Wer glaubt denn bitte, dass in der 'Weltrisikogesellschaft' (U. Beck), in der Bruchbiographien normal werden, jemand vom Tellerwäscher zum Millionär werden kann? Es ist für Gering- und Durchschnittsverdiener auch in den letzten Jahrzehnten schon schwierig genug gewesen, ihr Haus zu bauen und zu Lebzeiten abzuzahlen. Die Entwicklung der letzten 20 Jahren haben das noch schwieriger gemacht.
    tbc

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  6. fortsetzung
    Also, was wollen wir? Wollen wir alle sozialen Errungenschaften opfern, um die uns die halbe Welt beneidet, weil die Chinesen sich eben ausbeuten lassen - sie haben ja auch nicht wirklich eine Wahl - oder sollte man das bewahren, was zu bewahren ist, und überlegen, wie vielleicht sogar mehr Menschen auf der Welt davon profitiern könnten?
    Und wenn das eine Nord-Süd-Umverteilung bedeuten würden, und wir dafür auf einigen gewöhnten Luxus verzichten müssten, ich wäre dazu bereit. Was kein thema ist - denn wirklich verlieren würde nur eine Gruppe von Menschen, die deutlich kleiner ist, als die der Hartz IV-Empfänger.

    Ich hoffe ich hab jetzt noch halbwegs nen Faden drin.
    PS: Ich hatte gestern ehrlich gesagt keine Lust, auf jedes deiner Argumente gesondert einzugehen, dass hätte deutlich zu lange gedauert. Davon abgesehen - auch Überspitzung kann Sinn haben. So far, oller Rechtsverdreher, hau rein.

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