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Freitag, 30. Juli 2010

Adieu altes Haus

Wie Tränen tropft der Regen von den Fensterbänken
Die Fenster fast erblindet wie von grauem Star
Man kann nur noch erahnen wie es früher war
Wie alte Narben wirken Risse in den Wänden

Und auch das Haupt bekommt inzwischen Haarausfall
Der Wind ist grausam, raubt dem Dach im Sturm die Ziegel
Es steht und schweigt, verschlossen durch den rost'gen Riegel
Die Balken ächzen, Knochen schmerzen überall

Der Zahn der Zeit, er nagt, hier hilft auch kein Sanieren
Es ging mal mit dem Stock, heut kriecht's auf allen Vieren
Noch bietet es den Jahreszeiten stolz die Stirne

Zu lang ist es allein, es will nicht mehr bestehen
Schließt die Rolladen, dieses Haus will nichts mehr sehen
Ein letztes Rendezvous nur... mit der Abrissbirne

Sonntag, 30. August 2009

letzter Gang

Der alte Mann geht heut spaziern
er denkt sich ich muss hier raus
greift sich den Mantel und den Schirm
erstmals wieder aus dem Haus

läuft einfach los, geht ohne Ziel
was ihm früher auch gefiel
als frisch bepflanzt warn die Alleen
was gibt es wohl heut zu sehn

die Leute halten sich die Ohrn
sprechen eifrig mit sich selbst
er fühlt sich wie zu früh geborn
fremd in der modernen Welt

er läuft und schaut und ist erstaunt
neuartig erscheint die Stadt
viel Stahl und Glas und nackte Haut
was er nicht erwartet hat

wie anders war es damals doch
Arbeit hatte er als Koch
gut zwanzig Jahre ist das her
so wie damals wirds nie mehr

Der alte Mann geht schnell nach Haus
er versteht die Welt nicht mehr
will auch so bald nicht wieder raus
einsam ohne Gegenwehr

Montag, 13. April 2009

Ein Ostergedicht

An Ostern

An Ostern, da treibt Witwe Kort
Hausarbeit, wie andere Sport
statt Kaffeekranz mit der Familie
pflegt sie emsig ihre Lilien

Die Enkel kommen nicht vorbei
wolln kein gefärbtes Osterei
es scheint, als hätt man sie vergessen
man hat wohl andre Interessen

und so poliert sie der Spiegel Glas
schneidet im Garten per Sense Gras
wischt Staub von Büchern und Bilderrahmen
erinnert sich dabei an vergangene Tage

als die Kinder an Ostern in aller Frühe
den Garten durchsuchten mit einiger Mühe
wie sie lachten nach erfolgreicher Suche
und sich freuten auf Oma, auf Kaffee und Kuchen

Abends genoss man ein gutes Gericht
zumeist wurde Braten aufgetischt
und später bestaunten dann alle zusammen
des Osterfeuers gewaltige Flammen

diese glücklichen Tage sind lange vergangen
und auch das jährliche Hoffen und Bangen
alleine verbringt sie alltäglich die Zeit
und tröstet sich dabei mit Hausarbeit

bis die Bilder schlussendlich vollends verstauben,
Unkräuter der Lilien Schönheit rauben
bis der Rasen im Garten langhaarig wird
und Efeu in Mengen die Mauern verziert

bis die Spiegel im Hause kein Bild mehr zeigen
selbst Besteck und Geschirr ungepflegt bleiben
bis die einsame Witwe die Erde verlässt
die Haus und Garten pflegt, sogar am Osterfest