Freitag, 30. Juli 2010
Adieu altes Haus
Die Fenster fast erblindet wie von grauem Star
Man kann nur noch erahnen wie es früher war
Wie alte Narben wirken Risse in den Wänden
Und auch das Haupt bekommt inzwischen Haarausfall
Der Wind ist grausam, raubt dem Dach im Sturm die Ziegel
Es steht und schweigt, verschlossen durch den rost'gen Riegel
Die Balken ächzen, Knochen schmerzen überall
Der Zahn der Zeit, er nagt, hier hilft auch kein Sanieren
Es ging mal mit dem Stock, heut kriecht's auf allen Vieren
Noch bietet es den Jahreszeiten stolz die Stirne
Zu lang ist es allein, es will nicht mehr bestehen
Schließt die Rolladen, dieses Haus will nichts mehr sehen
Ein letztes Rendezvous nur... mit der Abrissbirne
Mittwoch, 19. Mai 2010
Klärgrubentaucher
der Weizen wiegt im Wind
und nebenan die Kinder
gehn Gassi mit dem Hund
Du liegst auf einer Wiese
die Sonne lacht dich aus
und die Gedanken sieden
Hormone sieden auch
Das Buch auf deiner Decke
erzählt heute nicht viel
es weht ne warme Brise
im Zug raschelt das Laub
Und alle gehn vorrüber
und niemand nimmt dich wahr
ein Junge spielt im Garten
fährt mit dem Bobbycar
Und früher wars nicht besser
und früher wars ok
der Bolzplatz um die Ecke
weiß das noch genau
Und manchmal willst du einfach schreien!
Und manchmal willst du einfach schreien!
Manchmal heulst du einfach so,
Abends beim Fernsehen
Und ihr Platz ist weiter unbesetzt
Ein trüber Tag im Frühling
der Sommer sitzt noch fest
dort oben fliegt ein Segler:
der Herbst ist doch vorbei
Du liegst so auf der Seite
und Beine stapeln sich
die Nachbarn komm' vom Freibad
die Augen rot. Vom Chlor.
Ein Telefon das klingelt
die Nummer unterdrückt
du willst da heut nicht drangehn
und drückst sie einfach weg
Noch einmal zehn Minuten
die Augen einfach zu
doch dies hier ist nicht Schweden
der Gartenteich kein See
Und früher wars nicht anders
und früher wars ok
der Staub in der Garage
singt davon ein Lied
Und manchmal willst du einfach schreien!
Und manchmal willst du einfach schreien!
Und im Keller liegt ein Stapel Wäsche,
schimmelt auf dem Boden
Und ihr Photo grinst dich wissend an
Und manchmal willst du einfach schreien!
Und manchmal willst du einfach schreien!
Manchmal heulst du einfach so,
Abends beim Fernsehen
Und ihr Platz ist weiter unbesetzt
Dienstag, 11. Mai 2010
Begegnung Nähe Uni Bochum
so wie zwei Saphire, gerahmt
von rotem, ja glänzendem Haar
und plötzlich erstarrte die Zeit
als unsere Blicke sich trafen
da war etwas wie Sympathie
wie unterbewusstes Erkennen...
Ein Rattern zerbrach den Moment
die S-Bahn kam lärmend herein
wir stiegen zwar beide dort ein
doch schon an der zweiten Station
verließ sie das Fahrzeug nach links
Ich sah nur den hellgrauen Rock
als sie auf der Treppe verschwand
und blieb in der S-Bahn zurück
die weiterfuhr auf ihrem Gleis
Die Fahrgäste um mich herum
verblassten und lösten sich auf
und ich blieb dort sitzen, allein
und lauschte dem Rattern des Zugs.
Montag, 2. November 2009
bambule bitte
einsames angeln im see der gedanken
wirklichkeit wackelt, verschwimmt zur vision
fahren und fallen, die wände sie wanken
völliges fehlen von konzentration
zeitgefühl gibt nur das öffnen der schranken
wirkliches leben verkommt zur fiktion
spiegel enthüllen den einsamen kranken
eine sekunde gleicht einer million
die schon verflogen, zerronnen, verbrannten
zischender atem der einzige ton
blicke verfolgen ein staubkorn beim landen
sich nicht verlieren, die letzte mission
langsam verblasst auch das bild der verwandten
reicht dann die kraft noch für eine aktion
wird bald ein photo zum letzten gesandten
schließlich ist schluss mit der situation
feiert die freiheit mit rosengirlanden
bleiben auch räume für spekulation
werden sich jene die kommen bedanken
Samstag, 17. Oktober 2009
es tickt das metronom
ist ein weiterer nagel im schmucklosen sarg
ist ein stich mit dem spaten fürs einsame grab
ist ein bündel reisig auf dem scheiterhaufen
droht der sand aus dem stundenglas auszulaufen
jede weitere woche allein
ist ein weiterer wettlauf mit wertvoller zeit
steht ein bottich passion zur verbrennung bereit
ist die hoffnung auf rettung ein wenig geringer
zeigt das sein schmerzhaft auf: es geht immer noch schlimmer
jede sekunde allein
scheint die summe von endlosen stunden zu sein
stellt die welt dem naiven aus missgunst ein bein
ist ein marathonlauf über glühende kohlen
wird der seele durch öde ein wenig gestohlen
bleibt resignieren
bleibt verzagen
bleibt darüber sinnieren
bleibt das zählen der tage
bleibt allein...
Sonntag, 30. August 2009
letzter Gang
er denkt sich ich muss hier raus
greift sich den Mantel und den Schirm
erstmals wieder aus dem Haus
läuft einfach los, geht ohne Ziel
was ihm früher auch gefiel
als frisch bepflanzt warn die Alleen
was gibt es wohl heut zu sehn
die Leute halten sich die Ohrn
sprechen eifrig mit sich selbst
er fühlt sich wie zu früh geborn
fremd in der modernen Welt
er läuft und schaut und ist erstaunt
neuartig erscheint die Stadt
viel Stahl und Glas und nackte Haut
was er nicht erwartet hat
wie anders war es damals doch
Arbeit hatte er als Koch
gut zwanzig Jahre ist das her
so wie damals wirds nie mehr
Der alte Mann geht schnell nach Haus
er versteht die Welt nicht mehr
will auch so bald nicht wieder raus
einsam ohne Gegenwehr
Samstag, 22. August 2009
Das Schlimmste
Das Schlimmste ist, du bist nicht da.
Das Schlimmste ist, ich seh es klar.
Das Schlimmste ist die Vorstellung.
Und ich verpass die Vorstellung.
Das stinkt verdammt nach Vorsehung.
Das Schlimmste ist, es zu ertragen.
Und schlimm ist jetzt auch mein Betragen.
Nach schlimm kommt schlimmer, dann Versagen.
Das Schlimmste ist das Jetzt und Hier.
Und täglich tobt das tolle Tier.
Insomnia bis Nachts um Vier.
Das schlimmste ist, man muss verdrängen.
In schlimme Träume voll mit Klängen.
So voller Musik und Gesängen.
Das Schlimmste ist 'ne Illusion.
Was schlimmeres kommt Morgen schon.
Denn Sorgen sind des Lebens Lohn.
Montag, 27. Juli 2009
verguckt, verlaufen, verdammt.
Ich sah sie vor mir wenn ich erwachte, während des Abspanns des letzten Traums, vermutlich schon vorher. Doch während die Erinnerung an den nächtlichen Brainbuster schnell verblasste, tauchten meine Gedanken bereits wieder in den Seen ihrer blassblauen Seelenpforten ab.
Ich war wie paralysiert, nicht fähig, vernünftige Sätze zu formulieren, sobald sie in der Nähe war. Das gab der Sache einen bitteren Beigeschmack, denn mit Leuten, die sich nicht artikulieren können, wollte sie nichts zu tun haben. Das Traumtraining half da wenig.
Ich nippte am zu lang gezogenen Tee und musste mich fast übergeben. Ekelhaft. Aber er tat seine Wirkung. Ich überlegte, wie ich sie für mich gewinnen konnte und kam zu keinem Ergebnis. Ich hätte Yoga versuchen können, um meine Mitte zu finden. Mal so richtig die Shakren massieren. Oder Akupunktur. Oder Voodoo. Mit Puppen und so. Ich könnte Alkoholiker werden, um alles zu vergessen, aber das war keine wirkliche Option. Ich glaubte da auch nicht an einen schnellen Erfolg.
Vergessen aber war ein gutes Stichwort, denn was anderes blieb mir in dieser Situation schon übrig. Ich musste ihre Augen einfach irgendwie aus meiner Erinnerung radieren, auftauchen aus den Seen, abtrocknen und nach Hause fahren. Das Gefühl mitnehmen, dass es ein schöner Urlaub war. Folge den Brotkrumen aus dem Wald. Hoffe, die Vögel haben sie nicht alle aufgefuttert.
Mit diesem Gedanken leben zu können sah für mich nach einer Aufgabe fürs Leben aus. Ich nahm sie an. Welche Wahl blieb mir auch sonst.
Samstag, 30. Mai 2009
Agent Pink oder Herbizide gegen Liebe
seh ich so aus als würd ich dich vermissen?
nein, auf keinen Fall gehts mir beschissen
und was jetzt wird, ich will es gar nicht wissen
ich wälz mich blos im Dreck
komm zurück
sag, glaubst du wirklich, ich könnte es lassen?
nein, ich will mich da nicht ernsthaft mit befassen
durchwander abends stundenlang die Gassen
als ob mich was bedrückt
ganz im ernst
wie soll ich dem Dilemma nun entkommen?
nein, ich hab mich wirklich lang genug benommen
habs kaum gewonnen, da ists schon zeronnen
das Ende eines Sterns
also was
wieso sag ich vorm Schlaf leis deinen Namen?
ja, ich bin ein Freund von Happy Ends bei Dramen
ich zog die Liebe auf aus einem Samen
nun wächst dort nur noch Gras
Freitag, 22. Mai 2009
Impulse im luftleeren Raum
die Gedanken in vergangner Zeit
in Gedanken nur Bilder statt Worten
in Gedanken zu allem bereit
ganz allein auf dem Weg in die Freiheit
ganz allein auf dem Weg zur Vernunft
ganz alleine im Kampf mit der Freizeit
ganz alleine im Kampf um die Gunst
die Gedanken sind nicht, wo sie hinsolln
die Gedanken sind ständig bei ihr
in Gedanken kann ich niemals hinfalln
in Gedanken ist sie stets bei mir
nur alleine kann man wirklich frei sein
nur alleine nutzt man das nicht aus
denn alleine will man nicht allein sein
denn allein geht man allein nach Haus
die Gedanken haben mich gefangen
die Gedanken haben mich erlöst
in Gedanken kann ich viel erlangen
in Gedanken find ich Schmerz und Trost
ganz allein ist man total zufrieden
übers Leben wird allein entschieden
und die Liebe wird gekonnt vermieden
kommt sie doch, so wird sie auch verfliegen
bleibt mehr Zeit für die Gedanken
keine Zeit gebraucht zum Zanken
Zeit genug, sich zu belügen
nur man selbst da zum Betrügen
nur man selbst da zum Betrüben
ein Glück, ich bin allein geblieben
Montag, 20. April 2009
Der Barde
rot befleckte weiße Fahne
nicht zu sehen im Dunst
und es hört niemand den Barden
wie er einsam singt
und spielt auf der Mandoline
weil es für ihn klingt
Lieder von Verlust und Liebe
es schallt durch die Nacht
wird von Niemand aufgenommen
bis der Tag erwacht
und des Glückes Schmiede kommen
Keiner kann es sehen
wie der Künstler schnell verschwindet
leider muss er gehen
bevor er im Licht erblindet
das ist seine Bürde
er erträgt sie täglich wieder
fragt sich oft was würde
hörten Menschen seine Lieder
doch es kann nicht sein
taub sind sie für seine Klänge
blind für seine Pein
so spielt er für leere Ränge
immer wieder neu
variiert er die Akkorde
aber bleibt sich treu
als einziger seiner Sorte
solang er auch spielt
man versagt ihm echtes Leben
trotzdem, noch ein Lied
sonst bliebe nur aufzugeben
anders kennt er's nicht
also wird er weiter Hoffen
bis er schließlich bricht
bisher ist das Ende offen
endet die Musik
wird die Nacht allein gelassen
Stille hat gesiegt
die letzten Töne, sie verblassen
werden erst antik
und dann von der Welt vergessen
keiner mehr der singt
aber keiner wirds vermissen
Montag, 13. April 2009
Ein Ostergedicht
An Ostern
An Ostern, da treibt Witwe Kort
Hausarbeit, wie andere Sport
statt Kaffeekranz mit der Familie
pflegt sie emsig ihre Lilien
Die Enkel kommen nicht vorbei
wolln kein gefärbtes Osterei
es scheint, als hätt man sie vergessen
man hat wohl andre Interessen
und so poliert sie der Spiegel Glas
schneidet im Garten per Sense Gras
wischt Staub von Büchern und Bilderrahmen
erinnert sich dabei an vergangene Tage
als die Kinder an Ostern in aller Frühe
den Garten durchsuchten mit einiger Mühe
wie sie lachten nach erfolgreicher Suche
und sich freuten auf Oma, auf Kaffee und Kuchen
Abends genoss man ein gutes Gericht
zumeist wurde Braten aufgetischt
und später bestaunten dann alle zusammen
des Osterfeuers gewaltige Flammen
diese glücklichen Tage sind lange vergangen
und auch das jährliche Hoffen und Bangen
alleine verbringt sie alltäglich die Zeit
und tröstet sich dabei mit Hausarbeit
bis die Bilder schlussendlich vollends verstauben,
Unkräuter der Lilien Schönheit rauben
bis der Rasen im Garten langhaarig wird
und Efeu in Mengen die Mauern verziert
bis die Spiegel im Hause kein Bild mehr zeigen
selbst Besteck und Geschirr ungepflegt bleiben
bis die einsame Witwe die Erde verlässt
die Haus und Garten pflegt, sogar am Osterfest
Montag, 6. April 2009
Und noch ein Gedicht
Nicht edel, aber unverbindlich
nicht verkehrt, doch etwas stimmt nicht
nicht zwingend sondern unter Zwang
hinein in seinen Untergang
ein Tropfen, ganz allein im Meer
ein Opfer unter Peinigern
ein Eisblock auf dem Wüstensand
so balanciert er auf dem Rand
wie Schmutz auf einer Lotusblüte
wie durchs Loch in der Kaufhaustüte
wie Fußstapfen in frischem Schnee
ward er schon bald nicht mehr zu sehen
wenn Stunden plötzlich Jahre dauern
wenn furchtsam er ins Bett sich kauert
wenngleich das Licht scheint nah zu sein
schläft in der Finsternis er ein
der Tag, er dehnt sich ewiglich
er drückt, er schweigt, und redet nicht
zumindest lässt er ihn in Frieden
wie stehts im Leben? Unentschieden.