Mittwoch, 30. Dezember 2009

baggerseen und sterben

am donsel saß ein frosch, ein weiser
der hatte schon manches erlebt
er predigte sein kehlchen heiser
vom tag wo der boden erbebt

vor jahren, sagte er den quappen
da hatte er eine vision
da konnten ihn die menschen schnappen
und menschen bedeuten den tod
sie sperrten ihn erst ein in glas
er sah sich in äußerster not
doch plötzlich war er frei, das wars
vom schicksal noch einmal verschont
von diesem tag an war sein ziel
die frösche vor menschen zu warnen
beim ersten mal wars nur ein spiel
beim zweiten mal gäbs kein erbarmen

die kleinen ließen ihn zwar reden
aber merkten sich davon nicht viel
und schließlich endete ihr leben
unterm bagger im reifenprofil

Freitag, 18. Dezember 2009

Alle Jahre wieder

Rotgerahmte weiße Kacheln
Schmutz und Matsch unter den Schuhn
Heißer Glühwein, heiße Waffeln
Fernseh-Feiertagscartoons

Wo sich Leute einig sind:
Wenn schon Weihnacht, dann auch weiß
Überall riechts jetzt nach Zimt
Oma serviert Trank und Speis

Ich friere und bibber und zitter
Ich fluche und find alles Mist
Ich wünsche mir tropisches Wetter,
Wie scheiße der Winter doch ist!

Samstag, 5. Dezember 2009

und die vernunft ertrank im geldspeicher

die wirtschaft drüben
hinterm großen teich
hat jetzt erholungsängste
wenns panik wird
der absturz kommt
ein erholungscrash
dann bricht vielleicht bei uns
auch bald der sloterdijk

Donnerstag, 3. Dezember 2009

sandboarding im stundenglas

um vier uhr morgens birst der kopf
das wohnzimmer erleuchtet von
deutschlands schönsten bahnstrecken
die luft im raum massiv vom rauch
noch einen schluck kamillentee
und wachträume von schlaf
nirvana unplugged aus den boxen
bis rote augen tränen treiben
bilder zeichnen in den staub
auch ewigkeit hält nur minuten
ein seyfriedcomic auf dem tisch
um nachts allein zu lachen
aus zucker eine kerze basteln
an asche dafür mangelts nicht
und dann gedanken tauchen lassen
wie früher in schwedischen seen
die zeit anhalten und der uhr
auf den zeiger gehen bis er bricht
und danach nur warten auf gestern

Dienstag, 1. Dezember 2009

Herr Koenig biegt rechts ab

herr koenig schwor auf linksverkehr
er mocht auch seine freiheit sehr
er war ein fan von störtebecker
und fand öligen zwieback lecker
ist er erst jetzt rechts abgebogen
oder hat er uns angelogen?
ich ahne was er wirklich ist:
ein mieser stammtischpopulist!


Update: Hier gibts das passende Plakat dazu zu sehen...

Dienstag, 17. November 2009

Feierabend

Geh mir nicht aufn Sack.
Lass mich einfach in Ruhe.
Das sind deine Probleme.
Mir sind meine genug.

Geh mir nicht aufn Geist.
Erzähls dem Fernseher.
Ich habs jetzt dreimal gehört
und weiß nicht wovon du sprichst.

Jetzt nerv hier nicht so rum.
Ich kann dich auch rausschmeißen.
Schön, dass deine Ma das meint.
Dann fahr doch zu ihr hin.

Geh mir nicht aufn Sack.
Du bist nur zu Besuch hier.
Halt einmal deinen Rand.
Was ist daran so schwer?

Jetzt reichts mir aber langsam!
Nein, ich wills nicht hören!
Es ist mir scheißegal!
Ich will mich jetzt entspann'!

Geh mir nicht aufn Zeiger.
Sonst, da ist die Tür!
Na also, es geht doch.
Warum denn nicht gleich so?

Freitag, 13. November 2009

Bremer Stadtmusikant

Die Stimmung dem Gefrierpunkt nah,
dagegen hilft kein Heizen.
Ein Blick zum Alten macht es klar:
Jetzt blos nicht weiter reizen!

Erst schimpft er laut auf die Regierung,
schreit danach nach der Fernbedienung.
Nur Vorwürfe hat er für Mutter
und will um 18 Uhr sein Futter.

Mein Schwesterchen macht einen Fehler,
sie will am Abend ausgehn;
nur ist ihr Freund ein Aramäer,
die kann Papa nicht ausstehen.

Er keift etwas von Arbeitsplätzen
die die Schwattköppe besetzen,
von Füßen unter seinem Tisch
und Ausgehn würd sie heute nicht.

Mein Schwesterchen, den Tränen nah,
blickt hundegleich zu Mama,
doch die hat, es war sonnenklar,
kein Bock auf Ehedrama.

Mein Schwesterchen rennt auf ihr Zimmer
und knallt die Tür, macht es noch schlimmer,
denn Vater schreit die Mutter an:
warum sie nicht Erziehen kann!

Die Kinder hätten kein Benehmen
und wärn gar nicht von ihm;
er würd sich jetzt die Kante geben
und durch die Kneipen ziehn.

Und sie wisse was da kommt
wenn er spätnachts wiederkommt.
Glasig erscheint Mutters Blick
als sie daraufhin nur nickt.

Längst schon hab ich genug gehört.
Mein Rucksack ist gepackt.
Noch ist mein Leben nicht zerstört,
heut hau ich endlich ab.

Ich geh nach Hamburg, nach Berlin,
werd in besetzte Häuser ziehn,
werd Kunst, Musik, was Echtes machen.
Und über ihn werd ich nur lachen.

Noch kann ich Mutter nicht befreien,
auch Schwester bleibt zurück.
Ich hoff sie werden mir verzeihen...
In Liebe, wünscht mir Glück!

Ich werd sie beide nicht vergessen,
werd mich an ihrem Maße messen,
und dereinst werd ich wiederkehren,
auch der Tyrann muss einmal sterben.

Bis dahin, um der Freiheit willen,
bleib ich weg aus dieser Stadt,
werd meinen Durst nach Leben stillen,
sehn was die Welt zu bieten hat.

Der Alte sitzt beim ersten Wirt
und bevor schlimmeres passiert
schleich ich mich durch die Hintertür,
und dann verschwinde ich von hier!

Ich will sie alle wiedersehen,
doch nun muss ich zuerstmal gehen.
Hier Bleiben hieße resignieren,
doch ich hab nichts mehr zu verlieren,
nur Freiheit zu gewinnen.