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Freitag, 22. Januar 2010

verstrahlt

Jörg und Nico spielen Playstation.
JÖRG: Hast mitbekommen? Zwischenfall in Gronau?
NICO: Zwischenfall? Wat für'n Zwischenfall?
JÖRG: Urenco.
NICO: Wie Urenco, so mit Strahlung und so? Hab nix mitbekommen.
JÖRG: Ja, ist einer in ausgelaufene Suppe gelaufen und verstrahlt worden. Ist jetzt im Krankenhaus. Kommt sogar in den Nachrichten.
NICO: Das wird der Gegen-UAA-Bewegung bestimmt wieder Zulauf bringen.
JÖRG: Ja, das wäre wohl zu hoffen.
NICO: Gehst auch wieder demonstrieren?
JÖRG: Denke schon. Du auch mal dabei?
NICO: Weiß nicht. Ist ja immer Sonntags, kennst dat ja. Wenn dat da anne UAA losgeht geh ich grad ins Bett. Du eigentlich auch meistens, fällt mir dabei auf.
JÖRG: Ne, ich geh dann vorher nicht raus. Oder ich mach durch.
NICO: Würd ja passen, völlig verstrahlt auf 'ne Anti-Atom-Demo.
JÖRG: Auf jeden! Apropos verstrahlt, baust du?
NICO: Auf jeden. Und lass mal weiterzocken hier jetzt.

Montag, 4. Januar 2010

auf LAN

Sechs Leute sitzen auf engstem Raum vor ihren Bildschirmen. Um sie türmen sich Zigaretten in Aschenbechern, leere Flaschen stehen in Gruppen zusammen, Burgerpapier und Tüten von Fastfoodketten liegen herum, und überall Süßigkeiten oder ihre Überreste. Die Leute haben Kopfhöhrer auf, doch es wird trotzdem viel geredet. Eine bizarre, wechselnde Art von Kommunikation. Lange Phasen, in denen die Gespräche nur aus Flüchen und Beleidigungen zu bestehen scheint, meist mit Feststellungen gepaart. Das klingt dann in etwa so: "Scheiße! Ich war grade am nachladen. Und du Penner gibst mir 'nen Headshot. Fuck bin ich bescheuert! Jetzt hab ich Vollidiot mich auch noch selbst gefraggt." Die Gesprächspartner quittieren solche Aussagen mit freundlichen Ausrufen wie etwa "Ha ha!" oder "Yes! Headshot!"
Desweiteren werden noch Hinweise und Anweisungen gegeben: "Hinter dir!", "Im Fenster links steht einer!", "Der Penner hockt im Busch!", "Einer sichert A, die anderen beiden auf C!" und so weiter. So geht das einige Stunden, mit nur wenigen kurzen Unterbrechungen. Irgendwann fallen die Worte, die Ratlosigkeit und Hektik zugleich aufkommen lässt: "Wollen wir nicht mal was anderes zocken?" - "Jo, gute Idee, lass uns mal." - "Was zocken wir denn?"
Während dem nun folgenden Brainstorming, an dem sich niemand wirklich mit Elan beteiligt, läuft die Mikrowelle in der Küche und erhitzt mehrere Asia Nudelsnacks. Sind auch die Anwesenden in diesem Moment alles andere als sportlich, so behauptet zumindest die kreisende Zigarette von sich, es zu sein.
Nachdem die Bierkiste einiges an Inhalt verloren hat, einigen sich die noch nicht eingeschlafenen Personen auf ein Rennspiel, welches allerdings nach kurzer Zeit wieder langweilig wird. Einige Anwesende vergnügen sich mit nicht Anwesenden auf Online-Servern. Die anderen Anwesenden sind davon wenig begeistert, wissen aber auch keinen Ausweg. Man geht schlafen - versetzt.
Als die Sonne am nächsten Morgen aufgeht, haben zwei der Anwesenden noch nicht geschlafen, dafür haben sie frisch angefangene Diablo II-Charaktere. "Schon Level 28!" sagt einer der beiden zum grade erwachten Freund, der sich ungläubig und verpennt die Augen reibt. "Darauf muss ich erstmal einen rauchen." - "Bier ist übrigens auch alle, irgendwer muss gleich ne neue Kiste holen!" - "Alles klar, ich nicht." Damit wird der nächste Erwachende überrascht, der zum Brötchen- und Biereinkauf aufbricht.

Das ganze geht über mehrere Tage. Abwechslung ist relativ. Die Welt vor der Tür - unwirklich. Aber das will man. Auf LAN.


Dienstag, 6. Oktober 2009

Barock'n'Roll

Sonette sind mir viel zu förmlich!
Verschont mich bitte mit Quartetten,
Und bleibt mir weg mit zwei Terzetten;
Denn auch der Rest ist so gewöhnlich.

Vergleiche aus dem Reimbaukasten.
Das ewig gleiche blöde Schema.
Das ewig gleiche doofe Thema.
Wär es nicht besser auszurasten?

Man stelle sich den Dichter vor:
Bricht nach der Lesung seinen Stift,
Und wirft ins Publikum sein Heft,

Er tourt mit einem Mädchenchor,
Ist jeden Abend voll bekifft;
Wenn Rock-Lifestyle auf Lyrik trifft.