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Sonntag, 31. Januar 2010

Nico & das Feiern

Ich ging am Wochenende gerne feiern. Nicht auf irgendwelche Feten, sondern in kleine Clubs, in denen die Akustik furchtbar und außer Bass nichts wahrzunehmen war. Das war gut, so musste das.
Manchmal kam Jörg mit, aber meist zog ich alleine los. Ich brauchte das irgendwie, nach 5 Tagen malochen im Lager, nach 5 Tagen organisierter Verblödung einmal alles abstellen. Sichergehen, dass ich breit genug war. Sichergehen, dass keine Melodie mehr durchdrang. Sichergehen, dass nicht mal Mädels mich noch ablenkten. Und dann tanzte ich, wie allein, ganz für mich, schwamm im Bass, surfte auf den trommelfellvernichtenden Wellen, suchte die Nähe zum Nirvana.
Jörg meinte, ich würd das übertreiben, mit der ganzen Feierei. "Du solltest dir mal ein bisschen weniger Scheiß reinziehen," sagte er immer, "du machst dich nur kaputt."
Aber kaputt machte mich nicht der Alkohol, nicht das Gras. Drogen waren höchstens ein Symptom. Es war das Leben - trostlos, bestimmt von Arbeit, von Geldsorgen, von Stumpfsinn. Es war die Fabrik, das scheiß Lager, die Arschlöcher von der Zeitarbeitsfirma, die unfreundlichen Beamten beim Sozialamt, die Unfähigen beim Arbeitsamt. Es waren die Frauen, die immer etwas anderes wollten, als sie sagten. Es war mein Vater, der sich einen Dreck für mich interessierte. Und meine Mutter, die mir ständig Vorwürfe machte. "Ich will doch nur dein Bestes." Ja, Mama, ich weiß doch.
Also ging ich am Wochenende feiern. Um den Kopf freizubekommen. Indem ich ihn erstmal zuknallte. Mit Teilen auf Housepartys, wie immer vom Arbeitskollegen, und direkt die Party mitfinanziert. Morgens wenn es hell wird noch im Club, tanzen. Minimal zur After Hour und teures Pulver von der Klobrille schnuppern.
Jörg sagte immer, ich sollte das Zeug nicht anpacken. "Das ist schlecht für den Charakter." Außerdem wüsste ich doch selbst, wie heftig es wäre, und wer da schon alles drauf abgeschissen wär. Er hatte ja recht - aber ich antwortete darauf regelmäßig: "Geh du erstmal arbeiten." Außerdem hatte er gut reden - schließlich war er auch kein Kind von Traurigkeit.
Als ich mal wieder Samstags Nachts in den Club ging, um mich zuzudröhnen, lernte ich wider Erwarten ein Mädel kennen. Sie hieß Daniela.


Donnerstag, 16. April 2009

Mal wieder Poesie

Tribut an die geflügelte Traurigkeit

Tränen offenbarten ihr wahres Gesicht
und machten aus ihr einen Engel
er wollt sie berühren doch wagte es nicht
aus Angst sich am Licht zu versengen

und wenn jede Träne Geschichten erzählt
verlas sie so ganze Romane
zu viel hatte zu lang die Seele gequält
und das brach sich nun endlich Bahne

durch diese Verwandlung vor Ehrfurcht gebannt
entfielen ihm all seine Worte
er hatte schon einige Maiden gekannt
doch keines von himmlischer Sorte

so weinte er mit ihr und teilte ihr Leid
war von ihrer Kraft überwältigt
und etwas in ihm wurde dabei befreit
und hat sich seitdem vervielfältigt

sie zeigte ihm Wege sich selbst zu befreien
und nahm ihm die Angst vor Gefühlen
er sah nun stets auch ihren Heiligenschein
doch blieb die Angst, sie zu berühren